CATIA 3DEXPERIENCE und Trends in Design und Fertigung, Interview Teil 1

September 15, 2016

- ein Interview mit Frédéric Martin.

Um herauszuarbeiten, wie die Zukunft von Design und Fertigung, 3D-Druck und Systems Engineering aussehen wird, führte Jonas Gejer, der CEO von TechniaTranscat, ein weiteres fruchtbares Gespräch mit Frédéric Martin, dem CATIA Sales Director bei Dassault Systèmes.

Jonas Gejer (JG): Es ist mir eine große Freude, Sie wiederzusehen. Seit unserer letzten Diskussion zum Thema CATIA ist schon wieder mehr als ein Jahr vergangen. Welche sind die wichtigsten beruflichen Erfahrungen, die Sie in diesem Jahr seit dem letzten Interview gemacht haben? Welche interessanten und aufregenden Änderungen waren zu verzeichnen?

Frédéric Martin (FM): Wie Sie wissen, sind wir alle Fans von CATIA und wir lernen sehr viel von der täglichen Zusammenarbeit mit unseren Kunden und Partnern aus allen Branchen. Kürzlich traf ich den Chef der Entwicklungsabteilung eines Automobilzulieferers. Zuvor war er CATIA V5-Ingenieur und leitet jetzt ein Team aus 2000 Ingenieuren. Er sagte uns, dass er der Überzeugung sei, die Produktivität seines Teams durch den Einsatz von CATIA 3DEXPERIENCE (V6) um weitere 25 % verbessern zu können!! Dies ist die Sorte professioneller Erfahrung, die mir besonders gefällt – sehr aufregend und eine echte Herausforderung für uns! Wertschöpfung ist immer meine oberste Priorität – und das CATIA-Team zeichnet sich durch die gleiche Mentalität aus. Ich leite vier Exzellenzzentren in Europa, die sich mit Design, Ingenieurswesen, Elektrotechnik und Systems Engineering beschäftigen. Die meiste Zeit verwenden wir darauf, zu ermitteln, wie wir unsere Kunden dabei unterstützen können, ihre Produktivität zu steigern, Kosten zu reduzieren und Zeit zu sparen. Ich sollte sagen den Nutzwert – streben wir nicht alle danach?

JG: Ja, das gehört zur DNA von TechniaTranscat. Welche wichtigen Trends erkennen Sie in den Bereichen Produktentwicklung und Design?

FM: Schlüsseltrends sind die zunehmende Komplexität, mit der wir zurechtkommen müssen, kürzere Entwicklungszyklen sowie die bei unseren Kunden bestehende Notwendigkeit, das richtige Produkt zur richtigen Zeit zu liefern. Um es deutlich zu sagen: Ingenieure sollten mehr Zeit mit echten Ingenieursaufgaben verbringen und weniger mit der Prüfung und Sichtung von Daten. Und das ist das Gebiet, auf dem die V6 -Architektur und die CATIA 3DEXPERIENCE wirklich einen zusätzlichen Nutzwert bringen, den kein anderes CAD-Tool bieten kann. CATIA ist immer noch technologisch führend und die Leistungsfähigkeit des in CATIA integrierten Modellierers wird auch im Jahr 2016 weiter verbessert. Ingenieursaufgaben in einer Vielzahl von Disziplinen sind an die Stelle des bloßen Maschinenbaus getreten. Mechatronik und Elektrotechnik sind neue Prioritäten, bei denen es besonders auf die Reduzierung des Gewichts ankommt (Fertigung mit Verbundwerkstoffen und additive Fertigung). Und die Cloud sollte man nicht vergessen.  Newcomer können von den zurzeit besten verfügbaren Cloud-Lösungen profitieren. Und das bei sehr niedrigen Anschaffungskosten. Das jüngste Beispiel der Firma Elixir Aircraft zeigt, dass auch Startups jetzt Flugzeuge bauen und zertifizieren können. Ein echter Impuls für die additive Fertigung in der Luftfahrtindustrie.

JG: Ich habe einige dieser Beispiele aus der Luftfahrtindustrie gesehen, bei denen das Gewicht um 60-70% reduziert werden konnte. Das ist wirklich erstaunlich.

FM: Sie haben recht. Das ist unglaublich! Das Gewicht ist der eine Aspekt. Die möglichen Kosteneinsparungen sind aber ebenfalls erstaunlich. Ein weiterer Trend, den ich beim letzten Mal erwähnt habe, ist die Bedeutung des Systems Engineering. Wir können jetzt eindeutig den starken Druck zur Entwicklung neuer Produkte erkennen, wodurch die Rolle des Systemarchitekten immer größere Bedeutung erlangt, weil es im Unternehmen eine Person geben muss, die den Überblick über all diese Änderungen und die ganze Komplexität der Aufgaben behält, und schnelle Entscheidungen in Bezug auf Änderungen, die funktionale Architektur und die Systemarchitektur trifft. Im neuesten Release R2016X wird diese neue Dimension durch die Rolle “System Architect” erschlossen.

JG: Offensichtlich steigt bei allen Produkten der Softwareanteil und das ist auch der Weg, auf dem die Softwareentwicklung in diesen Trend zu wirklich interdisziplinären, zeitgleich stattfindenden Ingenieursaktivitäten (dem so genannten Concurrent Engineering) eingebunden werden kann.

FM: Genau. Echtes Concurrent Engineering ist nicht mehr sequentiell, sondern zeichnet sich durch eine Vorgehensweise aus, bei der diverse Bereiche des Ingenieurswesens und viele Teilbereiche der Physik beteiligt sind, um ein dynamisches, funktionales Simulationsmodell zu erstellen, mit dessen Hilfe man das Verhalten des beabsichtigten Produkts kontrollieren kann und sich die Welt der 3DEXPERIENCE erschließen kann. Mit CATIA Systems können Sie smarte und verknüpfte Objekte entwickeln und erleben. Mit CATIA 3DEXPERIENCE beginnt eine neue Ära auf dem Gebiet des Computer Aided Design (CAD).

JG: Die Einführung von 3DEXPERIENCE und CATIA V6 ist jetzt Realität und das Wachstum in diesem Bereich enorm – gibt es schon echte Erfolgsgeschichten, die Sie mit uns teilen möchten?

FM: Ja. Mit Ericsson und Grundfos haben wir 2016 in Nordeuropa wichtige neue 3DEXPERIENCE-Kunden gewinnen können. Mein liebster 3DEXPERIENCE-Kunde in Schweden ist European Spallation Source (ESS)! Es war für dieses Unternehmen keine leichte Entscheidung, auf 3DEXPERIENCE zu setzen, es musste sich jedoch fit für die Zukunft machen und für 2025 bereit sein. Gegenwärtig verwendet ESS CATIA 3DEXPERIENCE als CAD 3DModel-Master mit 80 CATIA-Benutzern in der Produktion. Die "Maschine" ist 600 Meter lang – ein ziemlich imposanter Zusammenbau, der vollständig mit CATIA designt wurde. Wir sind sehr erfreut, dass ESS jetzt die 3DEXPERIENCE-Plattform einführt und alle ihre Vorteile genießen kann. Einer der bedeutendsten Neukunden ist DCNS, ein französisches Unternehmen der Rüstungsindustrie, das U-Boote und Kriegsschiffe baut. Dieses Unternehmen hat bei einer umfangreichen Ausschreibung in Australien den Zuschlag erhalten und nun den Auftrag, U-Boote der nächsten Generation zu bauen. Ein Vertrag mit einem Volumen von 24 Milliarden Dollar und einer Laufzeit von 25 Jahren. Nach einer extrem akribischen Prüfung der verfügbaren Produkte hat sich DCNS für den Bau ihrer neuen U-Boote für Dassault Systèmes und CATIA 3DEXPERIENCE entschieden. Ein wichtiger Neukunde aus dem Bereich der Offshore- und Schifffahrtsindustrie.

JG: Ich stimme Ihren Kommentaren zu ESS zu. TechniaTranscat ist stolz, PLM-Partner von ESS zu sein. Ich habe gelesen, dass bei Unternehmen mittlerer Größe und Startups, insbesondere auf dem Gebiet der Elektromobilität, durch den Einsatz der 3DXPERIENCE-Plattform große Erfolge zu verzeichnen sind.

FM: Ja. In der Tat. Die meisten dieser Unternehmen haben ihren Sitz in Kalifornien, da das Silicon Valley diverse neue Player aus dem Bereich der Elektromobilität anzieht. Google und Tesla sind führend, hier in Europa wissen aber nur wenige, dass es eine Vielzahl weiterer Unternehmen - wie zum Beispiel Faraday – gibt, die viel Geld in Elektrofahrzeuge investieren. Und diese Unternehmen verwenden die 3DEXPERIENCE-Plattform und CATIA. Sie fanden, dass es das innovativste und coolste Tool für ihre Entwicklungsaufgaben ist. Und wenn Sie als Ingenieur im Silicon Valley arbeiten, wollen Sie kein überkomplexes Tool einsetzen. Es muss intuitiv, cool und einfach bedienbar sein, sodass Sie 100% Ihrer Zeit in Kreativität und Innovation investieren können.

JG: Sie haben 3D-Druck und additive Fertigung als Schlüsseltrends identifiziert und haben gesagt, dass Dassault Systèmes neue Produkte in diesem Bereich entwickelt. Können Sie mehr dazu sagen?

FM: In diesen Bereichen ist es extrem wichtig, die Entwicklung so zu optimieren, dass die Produkte kostengünstiger oder leichter werden. Das ist das Ziel. Für Satelliten und Flugzeuge stehen dabei Millionen von Euro auf dem Spiel! Der 3D Generative Shape Designer ist eine neue Rolle im Release R2016X, die ein funktionsgesteuertes, generatives Formendesign ermöglicht, das vollständig integriert ist. Vom Design zur Simulation über die topologische Optimierung bis zur Fertigung. Diese neue Rolle, die gemeinsam von CATIA und SIMULIA R&Ds entwickelt wurde, verkörpert eine neue Generation integrierter Lösungen, die Dassault Systèmes zum führenden Unternehmen im Bereich additive Fertigung machen und den Kunden eine exzellente Kapitalrendite bieten.

JG: Es handelt sich also um einen integrierten Ansatz bei voller Funktionalität.

FM: Exakt. Airbus hat gerade verkündet, dass es sich nach einer sehr langen Prüfungsphase für den 3D Generative Shape Designer von Dassault Systèmes entschieden hat. Wir erwarten eine Abkehr von der traditionellen mechanischen Designerrolle und eine Hinwendung zu etwas Neuem, bei dem diese neuen Technologien berücksichtigt werden. Beim 3D Generative Shape Designer handelt es sich um eine potenzielle Weiterentwicklung der mechanischen Designerrolle.

Dies war der erste von zwei Teilen dieser Interviewserie. In Teil 2 liegt der Fokus auf 3D-Druck, Systems Engineering und anderen Trends auf dem Gebiet von Design und Fertigung. Bitte lesen Sie weiter: 


CATIA 3DEXPERIENCE und Trends in Design and Fertigung, Interview Teil 2

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